Absicht und Ziel


Fallstudie

Im September 2015 nahm sich ein gemeinsames Highschool Austauschprogramm von deutschen und israelischen Studenten vor, den jüdischen Friedhof von Unsleben näher zu betrachten und zu dokumentieren, um  Spuren einer einmal emporkommenden jüdischen Gemeinschaft zu erhalten, die  der Vernichtung der Juden während des 2. Weltkriegs anheimfiel. Das Austauschprogramm zwischen den Highschool Mikve Yisrael Highschool (Holon, Israel) und dem Rhön-Gymnasium in Bad Neustadt  existiert seit über zwanzig Jahren. Der Inhalt des Programms ist traditionsgemäß der  kulturelle Austausch. Das Dokumentationsprogramm, das 2015 erstellt wurde, war der zweite Versuch, die Frage der Vergangenheit anzusprechen indem man sich eines jüdischen Friedhofs annahm.
Dieser Friedhof ist einer von vielen in Bayern, der bildlich noch nicht dokumentiert war und viele unlesbare  Grabinschriften hat. Die ursprüngliche Hauptabsicht des Projektes war, aufzuräumen und  aufzuarbeiten und jedes Grab zu dokumentieren. Bereits  diese  gemeinsame Arbeit der Schüler hat zu Fragen über die persönliche und kommunale Einstellung zum Glauben, die vorgefassten Meinungen und die gemeinsamen Werte geführt. Außerdem wurden die vorliegenden Informationen genutzt, um die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft von Unsleben öffentlich zugänglich zu machen. Bisherige Veröffentlichungen haben  dieser kleinen  Gemeinde im früheren Dorfleben  nicht allzuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Grabsteine konnten ein  Licht auf Aspekte werfen, über die die Studenten  durch andere schriftliche Quellen nichts erfahren konnten.

Dieses Projekt ist das Ergebnis eines früheren, wichtigen Programms: Reise ins jüdische Erbe, es hat darauf gezielt, kleinere bekannte jüdische Gemeinschaften in der ganzen Welt zu dokumentieren.
Unter der Initiative von Professor Stefan Simon, Leiter des Instituts für die Bewahrung des Kulturellen Erbes an der Yale Universität, Herrn Günter Henneberger vom Rhön Gymnasium, und Herrn Eyal Tagar, Absolvent der Abteilung der Fotografischen Kommunikation in der Hadassah Akademischen Universität Jerusalem, wurden  israelische und deutschen Studenten der Höheren Schule  in der Methodik angeleitet, Friedhöfe zu dokumentieren.

Ergebnis:

Die Dokumentation des Unslebener jüdischen Friedhofs zeigt, welche Männer, Frauen und Kinder dort beerdigt sind. In manchen Fällen wird im hebräischen Text auch die Todesursache  erwähnt,  die Funktion in der Gemeindeführung(Vorbeter, Lehrer, Arzt) oder  Wohltäter der Gemeinde benannt. Aus dem Geburtsort wird die Herkunft ersichtlich. Die Inschriften lassen teilweise auch erkennen, was den Hinterbliebenen wichtig war zu betonen. Leider sind den wenigsten die hebräischen Texte  zugänglich, in Einzelfällen kann die englische Übersetzung helfen. Mit den Informationen muss sorgfältig umgegangen werden, aber in Verbindung mit anderen Quellen aus Archiven kann manches dazu erfahren werden.

Interview Bürgermeister Michael Gottwald